Bernhardiner (Mix) in Langenlehsten

Ein Blog über unsere Hunde in Langenlehsten

Archiv: März 2012

Stress mit Jäger

Liebe Leser meines Bernhardiner Blogs, ich möchte euch von einem Vorfall berichten, den ich wirklich so hier erlebt habe.

 

Protokoll vom 31.12.2011

Nach dem Spaziergang kam ich ca. 17:00 Uhr mit den Hunden nach Langenlehsten hinein gefahren. Ich konnte niemanden auf der Straße sehen, somit habe ich als ich auf unserem Parkplatz am Haus stand, die Schiebetür geöffnet um mit den Hunden ins Haus zu gehen.

Normalerweise laufen alle drei Hunde erwartungsvoll an die Haustür, da sie ihr Futter erwarten, aber alle drei Hunde haben schneller als ich, den Schäferhund auf der anderen Straßenseite entdeckt, der gerade mit seinem Herrchen auf dem Fahrrad vorbei kam, und sind rüber zu ihm.

Barry hat ihn am Packfell geschnappt und geschüttelt, die anderen beiden Hunde (Lilly und Max) standen nur dabei. Ich bin sofort rüber gelaufen und habe Barry von dem Hund weggezogen. Der Hundehalter war verständlicherweise sehr wütend und hat geschimpft, jetzt könne er seine „Töle“ wohl nur noch einschläfern lassen, was ich so nicht verstanden habe.

Es war der gleiche Hundehalter, dessen Schäferhund Barry bereits einmal gebissen hatte. Er drohte noch damit das er nun eine Anzeige machen wollte, und fuhr mit dem Hund weiter (der Hund lief ganz normal ohne äußere Verletzungen) nach Hause und ich hielt Barry fest, Lilly und Max blieben neben mir stehen. Nachdem sich Barry beruhigt hatte, habe ich ihn am Halsband führend, nach Hause gebracht. Die anderen beiden Hunde folgten auf Zuruf.

 

Protokoll vom 1.1.2012
Ich verließ mit Max und Barry an der Leine gegen 16:00 Uhr das Haus und stieg in das Auto, mit dem ich mit beiden Hunden täglich aus Langenlehsten heraus fahre zum Gassi gehen, weil Barry nicht verträglich ist mit anderen Hunden.

Wir fuhren bis hinter dem zweiten Querweg in die Feldmark und ich stellte das Auto dort ab. Dann ließ ich Max und Barry ohne Leine laufen und beide schnüffelten im Umkreis von 5 – 10 Metern um mich herum und machten ihre „Geschäfte“.

Da ich immer sehr aufmerksam bin, weil ich jeden Stress vermeiden möchte, viel mir als ich am dritten Weg nach links abgebogen war, zwei dunkle Gestalten auf, die vermutlich mit dem Fahrrad hinter mir auf dem Weg fuhren. Ich leinte Barry sofort an und rief Max zu mir. Der lief jedoch etwas den Acker rechts neben mir hoch, Richtung der Radfahrer. Da von Max keine Gefahr aus geht, bin ich erst einmal einige Schritte weiter mit Barry gegangen, bis zu einem Holzpfeiler, der stabil genug war um den Hund zu halten.

Ich warf Barrys Leine darüber und achtete darauf das sie ganz unten zum liegen kam. Dann ging ich 5 – 10 Schritte zurück Richtung Max der immer noch wie angewurzelt auf dem Acker stand und die beiden Radfahrer, die nun stehen geblieben waren, anguckte. Ich musste ihn 5 – 6 Mal rufen, was aber für ihn OK ist, da er sehr langsam im Denken ist und lange braucht bis er weiß was man von ihm will. Dann kam auch Max angetrottet und lies sich anleinen.

Während dieses Vorfalls riefen die Radfahrer mir etwas zu, was ich jedoch wegen der Entfernung nicht verstehen konnte. Als beide Hunde angeleint waren und die Leinen über den Pfeiler gestülpt waren, stellte ich mich mit dem Fuß auf die Leinen, damit die Hunde auf keinen Fall, durch hoch rutschen der Leinen am Pfeiler, diesen aus dem Erdreich rütteln konnten.

Ich erkannte nun auch Herrn Peters den Jäger aus Langenlehsten mit seinen beiden Jagdhunden an der Leine. Er kann direkt den Weg auf mich zu, obwohl ich ihn bat, doch einen anderen Weg zu nehmen. Ich sagte mir leise immer „Das geht nicht gut“ und hatte Angst dass die Hunde sich zu nahe kommen konnten.

Das interessierte Herrn Peters und seine Frau (sie war die zweite Gestalt auf dem Rad) überhaupt nicht, sie kamen näher und meine Hunde spielen zerrten an der Leine und dem Pfeiler und bellten. Herr Peters stellte sich mit seinem Fahrrad und den beiden Hunden provokativ ca 3 – 4 Meter vor mir und meinen Hunden hin und erzählte mir dass er von der Beißerei gestern gehört hätte und meine Hunde gemeingefährlich sind. Ich war froh das Barry und Max ziemlich schnell ruhig wurden und nur noch auf Spannung an dem Pfeiler standen, aber nicht mehr zogen und nicht mehr bellten.

Ich sagte zu Herrn Peters, das nur Barry der aggressive sei, aber auch das erst nachdem sein Kumpel Max, von dem Schäferhund von Herrn K***  sehr böse in den Kopf gebissen wurde. Das wollte er nicht hören und er unterbrach mich und sagte das es nicht sein kann das sich keiner mehr raustraut und in Langenlehsten mit seinem Hund gehen kann. Ich versuchte ihm zu sagen, das ich doch aber immer raus aus Langenlehsten fahre und eben hier „oben am Wald“ gehe, damit alle anderen Hunde im Dorf in Ruhe ihre Runden drehen können.

Auch das wollte er nicht wissen und er teilte mir in einer Seelenruhe mit, das hier gleich seine Tochter/Nichte (eine Weibliche Verwandte) mit einem Kinderwagen und einem kleinen Hund vorbei kommt. „Ich habe mir eben extra eine Kurzwaffe eingesteckt und wenn Barry dem Kinderwagen oder dem Kind zu nahe kommt, dann erschießt er nicht nur den Hund … “ Während er das sagte, klopfte er sich demonstrativ seitwärts an seine Jacke, wo vermutlich die Waffe war, und schaute mich bitterböse an.

Ich versuchte zu beschwichtigen, das ich doch immer versuche allen und jedem aus dem Weg zu gehen. Ich sagte dass ich seinen Unmut ja verstehen kann, aber dass Barry ein absoluter Menschenfreund ist, dass er lediglich mit anderen Rüden große Probleme hat.

Herr Peters teilte mit dann mit, dass die Hunde in seinem Revier, nie wieder ohne Leine sehen und dass er mir „auflauern“ und mich „provozieren“ will. Er wird eine Unterschriftenaktion im Dorf starten, damit ich meinen Hund abgeben muss. Er wiederholte das ich ja gar nicht wisse „wie gefährlich“ dieser Hund sei, und man das ja täglich in der Zeitung liest. Selbst unsere Nachbarin würde Angst um ihr Kind haben. Ich habe mittlerweile mit unseren Nachbarinnen sprechen können, und sie konnten mir diese Aussage nicht bestätigen. Wir haben schließlich auch einen Zaun um das Grundstück von 1,50 Meter Höhe, damit die Hunde für alle ohne Gefahr im Garten spielen können.

Bevor wir uns getrennt haben, hat Herr Peters ein weiteres Mal seine „Kurzwaffe“ erwähnt, und das er sie nicht nur gegen den Hund einsetzen will.

 

Der nächste Tag 2.1.2012
Ich habe die letzte Nacht kaum geschlafen und viel und oft geweint. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen und zittere am ganzen Körper. Ich habe Angst! Mein Mann hat gesagt das es so nicht weiter geht und ich Anzeige erstatten soll. Heute habe ich unseren „Dorfshariff“  von der Wache Gudow/Sterley angerufen, und er kam dann auch recht schnell, um die Anzeige auszunehmen.

Während ich den Vorfall erzählt habe, fing ich immer wieder an zu weinen und zitterte am ganzen Körper. Der Polizist war total entsetzt, weil er mich so einfach nicht kannte.

 

Weitere drei Tage später …
Ich habe Herrn Door, einen Förster bei uns, gefragt, ob ich mit meinen Hunden in seinem Wald laufen darf. Weil ich wieder anfing zu weinen, fragte er mich, was passiert sei und ich erzählte von dem Vorfall vom 1. Januar und das ich große Angst habe, weil ich befürchte das mir Herr Peters auflauern will. Herr Door versuchte mich zu beruhigen und sagte das ich mit meinen beiden Bernhardinern bei ihm laufen darf, ohne Ärger zu befürchten.

Seit dieser Zeit fahre ich jeden Morgen aus Langenlehsten heraus und gehe nur bei uns mit den Hunden Gassi, wenn mein Mann dabei ist. Einmal trafen wir auf Herrn Peters und einen anderen Mann und beide kamen hinter uns her, und drehten erst um, als er sah, dass unsere Nachbarin mit dem Kinderwagen auf uns zu kam. Ich fühle mich verfolgt und bedroht, und kann nicht mehr unbedarft in unserem Dorf spazieren gehen, diese Freiheit wurde mich dieses Jahr genommen!

Nach dem ich nach 4 Wochen immer noch anfing zu weinen, wenn ich an den Vorfall erinnert wurde, ging ich zu einer Therapeutin, um mir helfen zu lassen. Sie sagte mir, sie könne mir nur etwas geben, damit ich besser schlafen kann, den Vorfall selbst muss ich alleine verarbeiten. Sie meinte das dauert seine Zeit, ich muss Geduld haben.

 

Wie geht es weiter …
Ich bekam Post von der Staatsanwaltschaft. Herr Peters hat seinen Anwalt schreiben lassen, das es so ja gar nicht gewesen sei und diesen Vorfall und die Bedrohung bestritten. Ich habe wirklich an unserem Rechtssystem gezweifelt und 26.04.2012 einen Brief an die Staatsanwältin geschrieben:

 

Sehr geehrte Frau O…,
ich möchte Ihrem Urteil zu dem Ermittlungsverfahren widersprechen.

Ich kenne mich in unserem Rechtsstaat nicht so gut aus wie Sie, aber ich verstehe nicht, das mich ein Jäger mit seiner Waffe bedrohen darf und es nicht die kleinste Konsequenz für Ihn hat, zumal er mir weiterhin auflauert und überall im Dorf Lügen über unsere beißwütigen Hunde erzählt.

Ich kann mir keinen Anwalt leisten, um eine Privatklage zu starten, aber ich habe gedacht, dass ich wenigstens vorher von Ihnen befragt werde. Warum wird nur der Beschuldigte gehört und ich nicht? Ich hoffe Sie nehmen mir meine vielen Fragen nicht übel, aber ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden kann.

Anbei lege ich das Protokoll, welches ich am 2.1 nach der Anzeige geschrieben habe. evt. ändert das noch die Sicht Ihrer Dinge. Auch würde ich gerne mit Ihnen sprechen, ich verstehe diese (in meinen Augen) Ungerechtigkeit, die mir da widerfahren ist absolut nicht. Mir macht es wirklich große Angst, das bei uns jemand mit einer „Kurzwaffe“ rumlaufen und Menschen bedrohen darf. Irgendwie habe ich gehofft, dass so ein Vorfall die Allgemeinheit interessiert.

Ich habe nie im Leben mit solch einer Gewalt zu tun gehabt, und sitze auch jetzt wieder unter Tränen aufgelöst am Rechner und schreibe diese Zeilen an Sie. Mir macht die Zukunft Angst …

Mit freundlichem Gruß
Christiana Kohn

 

Einige Tage später bekam ich einen Anruf der Staatsanwältin. Sie Bedauerte Ihre Entscheidung, sagte jedoch das es Aussage gegen Aussage steht und sie nicht anders entscheiden kann. Sie versteht wohl meine Angst, ihr seien jedoch die Hände gebunden.

Seit dem hat uns Herr Peters bereits zweimal aufgelauert. Einmal hat er Fotos gemacht, weil Max ohne Leine lief. Barry geht nur noch mit einer lange Leine, den machen wir nie mehr ab.

Finish (geschrieben am 26.10.2016)

Nach mehreren Anzeigen beim Amt, wegen meiner angeblich “bedrohlichen” Hunde, hatte ich für Max und Barry Leinenpflicht und Maulkobzwang von Amtes wegen, obwohl die Begehung/Begegnung mit einer Amtstierärztin nichts aggressives und sehr gute Leinenführigkeit ergeben hatte. Bei Nichtbeachtung drohten uns 5.000,00 € Strafe!

Von dem Affentheater für Max einen Maulkorb zu bekommen will ich gar nicht reden, es wurde eine Sonderanfertigung für diese Riesenschnauze. Max hatte seinen Maulkorb nie getragen, er hatte einfach Probleme mit dem Atmen, weil er beim Hecheln immer das Maul weit aufgerissen hat, drückte der Maulkorb ihm in den Nasenrücken ein, das war in unseren Augen nicht zumutbar und so haben wir ihn nach einmal tragen schnell weggelassen.
Max ist am 12 Februar 2014 gestorben.

Barry trug seinen Maulkorb einige Wochen, dann begann er zu rosten weil er die Nase in alles hinein steckte, inkl. auch duftender Scheißhaufen von anderen Hunden. Ich musste den Maulkorb zweimal am Tag waschen. Irgendwann hab ich den auch weggelassen. Barry war eh immer an der Leine so das er draußen weder mit Mensch noch mit Tier Kontakt haben konnte.

Barry hat uns am 19.06.2016 verlassen.

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